🌱Völkervermehrung18 Min. Lesezeit

Ableger bilden: Schwarmvermeidung und Völkervermehrung

Kunstschwarm, Brutableger, Flugling – alle Methoden zur Ablegernbildung erklärt. Wann bilden und wie neue Königinnen einweiseln?

Geprüftes Expertenwissen · Quellen: Landesanstalt für Bienenkunde Hohenheim, Deutsches Bienen-Journal, Imkerverband Bayerischer Imker

Warum sollte jeder Imker jedes Jahr Ableger bilden?

Ablegernbildung ist die Grundkompetenz jedes Imkers – und das aus mehreren Gründen gleichzeitig: Sie verhindert das Abschwärmen, vermehrt den Völkerbestand, erzeugt natürliche Brutpausen zur Varroabekämpfung und ermöglicht die Zuchtauslese. Selbst wer seinen Bestand nicht vergrößern möchte, sollte jährlich 2–3 Ableger bilden: Bienenvölker überaltern, Königinnen sterben oder verlorengehen – ohne Reserveableger steht der Betrieb plötzlich ohne Ersatz da.

Generelle Grundsätze:

  • Ableger immer nur aus starken, gesunden, varroa-unverdächtigen Völkern bilden.
  • Je früher im Jahr der Ableger gebildet wird, desto mehr Entwicklungszeit hat er bis zur Einwinterung.
  • Ein Ableger aus Anfang Mai hat bis Oktober Zeit, ein überwinterungsfähiges Volk zu werden. Ein Ableger vom Juli braucht mehr Unterstützung.

Methode 1: Der Brutableger – der Klassiker

Der Brutableger ist die meistverwendete Methode in der deutschen Imkerei. Aus einem oder mehreren starken Wirtschaftsvölkern werden Brutwaben entnommen und in einen separaten Ablegerkasten oder eine neue Beute eingestellt.

Was braucht ein Brutableger?

  • 1–3 Brutwaben mit überwiegend verdeckelter Brut (frisch schlüpfende Bienen sorgen für schnelle Volksverstärkung)
  • 1 Futterwabe oder Futterrahmen
  • Mittelwände für den Ausbau
  • Junge Bienen (abzuschütteln von Brutwaben, nicht Flugbienen)
  • Eine Königin oder eine schlupfreife Weiselzelle

Früh im Jahr (Anfang Mai) reicht eine Brutwabe als Basis; je später, desto mehr Brutwaben sind notwendig, damit das neue Volk vor dem Winter noch auf ausreichende Stärke kommt.

Variante ohne Königin (Selbstnachzucht): Der Ableger enthält junge Larven auf einer Brutwabe. Die Bienen ziehen aus diesen Larven selbst Weiselzellen und eine neue Königin. Dies dauert länger (3–4 Wochen bis zur legenden Königin), vermeidet aber die Kosten einer gekauften Königin.

Variante mit Weiselzelle: Eine schlupfreife Weiselzelle aus einem Zuchtrahmen oder aus einem schwarmwilligen Volk wird eingehängt. Vorteil: Kürzere Brutpause als bei der Selbstnachzucht.

Variante mit begatteter Königin: Sicherste Methode. Eine fertig begattete Königin aus eigener Zucht oder aus dem Handel wird zugesetzt. Das Volk legt sofort los; keine Verzögerung durch Begattung.

Methode 2: Der Kunstschwarm – Neustart mit Varroa-Vorteil

Beim Kunstschwarm wird künstlich ein natürlicher Schwarmvorgang nachgeahmt. Das Volk wird komplett umquartiert: Die Bienen werden in einen Kunstschwarmkasten „eingefegt" (abgekehrt), eine Königin (alt oder neu) wird hinzugefügt, und der Kunstschwarm zieht in eine neue Beute mit Mittelwänden ein.

Der entscheidende Vorteil: Im Kunstschwarm befinden sich keine Brutwaben – damit auch kaum Varroamilben, die sich zum größten Teil in verdeckelter Brut aufhalten. Ein Kunstschwarm kann unmittelbar nach dem Einschlagen mit Milchsäure behandelt werden und startet so fast milbenfrei ins neue Leben.

Das Altvolk (mit Brut, aber ohne Bienen und Königin) wird zeitgleich mit Ameisensäure oder einer Weiselzelle versorgt. Es bleibt am alten Platz und zieht sich aus seinen Weiselzellen eine neue Königin.

Kunstschwärme werden besonders empfohlen bei: Völkern mit bekannt hohem Varroabefall, Völkern mit alten oder schwächlichen Königinnen, als Sanierungsmaßnahme nach einem Krankheitsverdacht.

Methode 3: Flugling und Fegling – die elegante Teilung

Die Flugling-Fegling-Methode nutzt einen einfachen Bienen-Instinkt: Flugbienen kehren immer zum angestammten Standort zurück.

So funktioniert es:

  1. An einem Tag mit reger Flugtätigkeit wird der Brutraum mit der Königin (Fegling) auf einen neuen Platz gestellt – mindestens 3–5 Meter vom alten Platz entfernt.
  2. An den alten Platz kommt ein neuer Kasten mit Mittelwänden und einigen Leerwaben (Flugling).
  3. Alle heimkehrenden Flugbienen fliegen automatisch den bekannten Standort an – und landen beim Flugling.
  4. Der Flugling ist sehr flugbienenstark, aber ohne Königin und fast ohne Brut. Die Bienen bauen sofort Weiselzellen aus vorhandenen jungen Larven – oder man setzt eine Weiselzelle zu.
  5. Der Fegling ist brutstark und hat die Königin, verliert aber alle Flugbienen.

Beide Einheiten entwickeln sich danach unabhängig. Die Methode ist besonders geeignet für Anfänger, da kein Suchen nach der Königin notwendig ist. Sie ist gleichzeitig eine effektive Schwarmverhinderungsmaßnahme, da das geteilte Volk seine Energie in den Neuaufbau steckt statt ins Schwärmen.

Die Königin richtig einweiseln

Eine neue Königin – ob begattete Kaufkönigin, Weiselzelle oder Schlupfzelle – wird von einem fremden Volk anfangs als Eindringling behandelt. Direktes Zusetzen führt fast immer zum Tod der Königin. Die wichtigsten Regeln:

  • Grundvoraussetzung: Das Volk muss weisellos sein. Idealerweise 9 Tage vorher die alte Königin entnehmen – dann sind auch alle offenen Weiselzellen erloschen.
  • Methode Zusetzkäfig (Standardmethode): Die Königin wird in einem kleinen Käfig zwischen die Rähmchen gehängt. Eine mit Futterteig verschlossene Öffnung ermöglicht es dem Volk, die Königin langsam „kennenzulernen". Die Bienen fressen sich in 1–2 Tagen durch den Teig – und in dieser Zeit haben sie die Königin über die Gitter-Berührung als ihre Königin akzeptiert. Füttern die Bienen die Königin durch das Gitter, ist das ein positives Zeichen. Beißen sie daran, ist die Annahme fraglich.
  • Methode Brutwaben-Gitter: Königin auf verdeckelte Brut setzen, sofort Absperrgitter darüber drücken. Schlüpfende Jungbienen bilden rasch eine loyal der Königin ergebene Gruppe.
  • Beste Tageszeit: Abends, wenn die Flugbienen zurückgekehrt sind und die Stimmung im Volk ruhiger ist.
  • Bester Zeitpunkt im Jahr: März–Mai und September–Oktober (in Monaten mit „r").
  • Nach dem Einweiseln: Mindestens 10 Tage keine Kontrolle! Jede Störung in dieser Phase gefährdet die Annahme.

Ableger und Varroa: Die versteckte Chance

Jeder Ableger, der eine Phase der Brutfreiheit durchläuft (besonders Kunstschwarm und Flugling), bietet eine einmalige Gelegenheit zur Varroabehandlung:

  • Brutfreier Ableger ohne Königin: Behandlung mit Oxalsäure (Träufeln oder Verdampfen) – wirkt bei fast 95 % Effektivität.
  • Brutfreier Ableger mit Königin: Behandlung mit Milchsäure (Sprühen).
  • Altvolk nach Kunstschwarm: Behandlung mit Ameisensäure nach Ablegerbildung, wenn noch Brut vorhanden.

Diese biotechnische Nutzung der Brutpause ist eine der wirksamsten natürlichen Methoden zur Varroareduzierung und kann den Varroabefall bis zur Sommerbehandlung um bis zu 50 % reduzieren.

Quellen & Fachbehörden

  • Landesanstalt für Bienenkunde Hohenheim
  • Deutsches Bienen-Journal
  • Imkerverband Bayerischer Imker

⚠️ Kein Ersatz für tierärztliche Beratung oder amtliche Vorschriften. Bei Unsicherheiten immer das zuständige Veterinäramt oder einen Imker-Fachberater kontaktieren.

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