Warum ist die Wintervorbereitung so entscheidend?
Der Erfolg des nächsten Bienenjahres wird bereits im Herbst gelegt. Völker, die mit zu wenig Futtervorrat, zu hohem Varroabefall oder zu geschwächten Winterbienen in den Winter gehen, haben kaum eine Chance auf einen guten Frühjahrsstart. Die Winterbienen – jene Ende August/September geschlüpften Bienen mit besonders ausgeprägten Fettkörpern – müssen in einem optimalen Zustand sein, bevor die Königin die Eiablage reduziert oder einstellt.
Werden Winterbienen durch hohen Varroabefall im Spätsommer beschädigt (Flügeldeformationsvirus, verkürzte Lebensdauer), ist der Schaden irreparabel. Dieser Fehler zeigt sich dann oft erst im Februar/März als Volksabsterben oder Entwicklungsstagnation.
August: Die Sommerbehandlung abschließen
Die Sommerbehandlung mit Ameisensäure oder Thymol sollte bis spätestens Ende August abgeschlossen sein. Danach beginnt der Aufbau der Winterbienenpopulation. Wer zu spät behandelt, schädigt genau jene Bienen, die das Volk durch den Winter tragen sollen.
Nach Abschluss der Sommerbehandlung empfiehlt sich eine Kontrollmessung des natürlichen Milbenfalls: Liegt dieser noch über 1–2 Milben pro Tag, deutet das auf eine unzureichende Wirkung der Sommerbehandlung hin. In diesem Fall kann eine zweite Behandlung erwogen werden – aber nur mit ausreichendem Abstand vor der Einwinterung.
August bis September: Auffütterung
Die Auffütterung auf Wintervorrat ist der arbeitsintensivste Teil der Herbstvorbereitung. Der Futtervorrat orientiert sich am Betriebssystem:
- Einzargig eingewinterte Völker: mindestens 15 kg eingelagertes Winterfutter
- Zweizargige Völker oder Großraumbeuten: mindestens 20 kg eingelagertes Winterfutter
Faustregel für den Verbrauch: Ein Volk ohne Brut verbraucht ca. 1 kg Futter pro Monat; ein Volk mit aktiver Brut ca. 3 kg pro Monat. Rechnet man von Oktober bis März (6 Monate reine Winterzeit), ergibt das ohne Brutperiode ca. 6–8 kg reinen Winterverbrauch – der Rest dient als Puffer für Kältephasen und einen starken Frühjahrsaufbau.
Auffütterungsmittel und deren Eigenschaften:
- Zuckerlösung 3:2 (Saccharose): 3 kg Zucker auf 2 l Wasser. Günstigste Variante; muss von den Bienen noch invertiert werden, was die Winterbienen belastet. Frisch anrühren und sofort anbieten – verdirbt schnell. Nur Kristallzucker aus Zuckerrübe verwenden.
- Fertigsirup/Invertzuckersirup (z. B. Apiinvert): Bereits vorinvertiert; schont die Bienen. Teurer, aber besonders bei später Auffütterung empfehlenswert. Mikrobiell stabil, längere Haltbarkeit.
- Futterteig: Als Notfütterung im Winter geeignet, aber nicht zum Aufbau großer Wintervorräte.
Die Auffütterung sollte bis Ende September abgeschlossen sein. Danach nehmen Bienen Futter kaum noch an, da die Stocktemperatur sinkt und die Umbauvorgänge nachlassen. Zur Kontrolle: Den gefüllten Honigraum oder die Winterzarge abwiegen und das Leergewicht abziehen – so sieht man genau, wie viel Futter eingelagert wurde.
Oktober/November: Einwintern – praktische Maßnahmen
Vor dem endgültigen Einwintern werden folgende Maßnahmen durchgeführt:
- Honigraum und leere Zargen abnehmen: Das Wintervolk braucht kompakten Raum. Je nach Betriebssystem wird auf ein oder zwei Zargen reduziert.
- Mäuseschutz: Fluglochkeil mit maximal 6 mm Höhe oder punktgeschweißtes Mäuseschutzgitter mit 8 mm Maschenweite einsetzen. Mäuse suchen im November aktiv warme Winterquartiere und können in wenigen Nächten ein Volk schwer schädigen.
- Ventilation sicherstellen: Bienen überwintern gut bei Kälte, sterben aber bei Feuchtigkeit. Der Gitterboden sollte geöffnet bleiben oder ein Ventilationsspalt vorhanden sein, damit Atemfeuchtigkeit abziehen kann. Feuchte Wintertraube ist ein häufiger Todesursache.
- Windschutz, nicht Wärmeschutz: Bienenstöcke müssen nicht eingepackt werden. Schutz vor Wind und Nässe ist sinnvoll; Styroporverschalungen sind nur in extremen Lagen hilfreich.
- Standort: Beute nicht in Senken aufstellen (Kaltluftseen). Morgensonnenausrichtung des Fluglochs ist günstig, damit die Bienen früh an warmen Wintertagen Reinigungsflüge unternehmen können.
November bis Dezember: Die Oxalsäure-Winterbehandlung
Die Winterbehandlung mit Oxalsäure ist die wichtigste Einzelmaßnahme im gesamten Behandlungskonzept. Ein milbenarmer Start ins Frühjahr senkt die Befallskurve und verschiebt den Behandlungsbedarf weit nach hinten.
Grundvoraussetzung: Brutfreiheit. Nur in brutfreien Völkern wirkt Oxalsäure zuverlässig (bis zu 95 % Wirksamkeit). Sobald verdeckelte Brut vorhanden ist, verstecken sich Milben in den Zellen und bleiben unversehrt. Brutfreiheit tritt in der Regel 3 Wochen nach dem ersten nachhaltigen Frost ein, wenn die Königin die Eiablage eingestellt hat.
Empfohlenes Behandlungsfenster: Ende November bis 21./22. Dezember (Wintersonnenwende). Spätestens bis 31. Dezember. Je kälter und fester der Bienensitz, desto höher die Wirksamkeit – bei Temperaturen unter 5 °C sitzen die Bienen eng in der Wintertraube und werden von der geträufelten Lösung vollständig benetzt.
Träufelbehandlung (Oxuvar 5,7%, auf 3,5 % verdünnt):
- Pro besetzte Wabengasse gleichmäßig 5–6 ml träufeln
- Schwache Völker (max. 3–4 Gassen): max. 30 ml
- Mittelstarke Völker (4–5 Gassen): max. 40 ml
- Starke Völker (über 5 Gassen): max. 50 ml
- Anwendungstemperatur: −15 °C bis +5 °C
- Idealwetter: Grau und neblig; kein Sonnenschein, der Bienen aus der Traube lockt
Verdampfungsbehandlung (Varroxal, seit Sept. 2023 zugelassen): 2 g Pulver pro Volk, Verdampfer Varrox oder Varrox Eddy. Anwendungstemperatur 2–10 °C. Schutzausrüstung: Vollschutzmaske (keine einfache Staubmaske), Handschuhe, Schutzbrille – Oxalsäuredämpfe sind gesundheitsschädlich.
Jede Behandlung ist im Bestandsbuch zu dokumentieren.
Januar bis März: Kontrolle im Winter
Im Winter werden Bienenstöcke grundsätzlich nicht geöffnet. Erlaubte Kontrollmethoden:
- Klopfprobe: Leichtes Klopfen ans Flugloch – ein gleichmäßiges Summen zeigt ein lebendiges Volk.
- Futterprobe: An warmen Wintertagen (über 8 °C) kurz anheben – das Gewicht gibt Aufschluss über die Futterreserven.
- Varroa-Windel einlegen: Der natürliche Milbenfall gibt Hinweise auf den Behandlungserfolg. Über 1 Milbe täglich im Winter ist ein Warnsignal.
Verhungernde Völker können mit Futterteig (Candy) durch das Flugloch gerettet werden. Bei Zweifel nie bis Ende Februar warten – dann ist oft keine Rettung mehr möglich.