Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Aufsetzen?
Der Honigraum kommt aufs Volk, sobald zwei Dinge zusammentreffen: genug Bienenmasse und einsetzende Tracht. Als Faustregel gilt: Ist der Brutraum zu etwa zwei Dritteln bis drei Vierteln von Bienen besetzt und blühen die ersten Massentrachten (Löwenzahn, Obstblüte, Raps), wird es Zeit. In den meisten Regionen Deutschlands ist das Mitte April bis Anfang Mai.
Weitere sichere Anzeichen: Die Bienen tragen zügig Nektar ein, es wird hell gebaut (frischer Wabenbau), der Drohnenrahmen ist bestiftet und die Völker sitzen abends dicht in den Wabengassen. Lieber etwas zu früh als zu spät aufsetzen – fehlt der Platz, steigt der Schwarmtrieb und die Bienen verhonigen das Brutnest.
Der Fahrplan über die Saison
| Schritt | Zeitpunkt | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Absperrgitter auflegen | zusammen mit dem ersten Honigraum | Brutraum zu 2/3 besetzt, Tracht beginnt |
| 1. Honigraum | Mitte April bis Anfang Mai | Löwenzahn, Obstblüte oder Raps blühen; heller Neubau |
| 2. Honigraum | 7 bis 14 Tage später | erster Raum zu 2/3 gefüllt und gut besetzt |
| 3. Honigraum | nur bei starker Tracht | beide Räume voll, Volk trägt weiter zügig ein |
| Honigräume abnehmen | nach der letzten Schleuderung | Wassergehalt passt, Tracht ist vorbei |
Die Zeitangaben sind Richtwerte. Ein starkes Volk am Rapsfeld braucht den zweiten Raum nach einer Woche, ein schwaches Volk im Garten vielleicht gar keinen.
Mit oder ohne Absperrgitter?
Zwischen Brutraum und Honigraum legen die meisten Imker ein Absperrgitter. Es hält die Königin im Brutraum, sodass der Honigraum brutfrei und damit sauber und hell bleibt. Die Arbeiterinnen passen durch das Gitter, die größere Königin nicht. Imkert man ohne Gitter (ungeteilter Brutraum), braucht es mehr Erfahrung beim Schleudern.
Honigraum aufsetzen oder untersetzen?
Eine Dauerdiskussion unter Imkern:
- Aufsetzen (oben): Der neue Honigraum kommt über das Volk. Einfach und üblich – die Bienen tragen den Honig gerne nach oben.
- Untersetzen (unter den vollen Honigraum): Ein zweiter, leerer Honigraum wird unter den bereits gefüllten gesetzt. Vorteil: Der reife Honig oben bleibt ungestört, die Bienen verlängern das Nest nach unten. Nachteil: mehr Hebearbeit.
Für den ersten Honigraum spielt das keine Rolle – er wird einfach aufgesetzt. Zum Anlocken hilft es, ein bis zwei ausgebaute Waben in den neuen Honigraum zu hängen.
Wann kommt der zweite Honigraum?
Sobald der erste Honigraum zu etwa zwei Dritteln gefüllt und gut besetzt ist, kommt der nächste – sonst fehlt bei guter Tracht schnell der Platz. In starken Rapsjahren kann das bereits nach 7–10 Tagen sein.
Kommt ein dritter Honigraum drauf?
In starken Trachtjahren ja. Die Regel bleibt dieselbe: Sobald die vorhandenen Räume zu etwa zwei Dritteln gefüllt und gut besetzt sind und das Volk weiter zügig einträgt, fehlt Platz. Ein dritter Raum ist allerdings die Ausnahme und nur bei wirklich starken Völkern sinnvoll — ein Volk, das drei Räume nicht besetzen kann, kühlt sie aus, und in unbesetzten Waben siedeln sich Wachsmotten an.
Honigraum im Winter drauflassen?
Nein. Die Honigräume kommen nach der letzten Schleuderung herunter, in der Regel im Juli oder August. Dafür gibt es drei Gründe:
- Die Wintertraube braucht einen engen Raum. Ein zusätzlicher Raum über dem Brutnest kostet das Volk Wärme, die es nicht übrig hat.
- Die Varroa-Behandlung setzt es voraus. Ameisensäure und Oxalsäure wirken nur in einem klar abgegrenzten Volumen zuverlässig. Ein Honigraum darüber verfälscht die Verdunstung.
- Leere Waben verderben. Unbesetzte Waben schimmeln oder werden von Wachsmotten befallen. Ausgebaute Waben lagert man besser kühl, luftig und hell.
Ausgenommen sind Betriebsweisen, bei der ein Raum bewusst als Futterraum über Winter bleibt — der ist dann aber kein Honigraum mehr, sondern Teil des Wintersitzes, und das Absperrgitter kommt weg.
Häufige Fehler
- Zu spät aufgesetzt: Platzmangel führt zu Schwarmstimmung und verhonigtem Brutnest.
- Zu viel Raum für ein schwaches Volk: Es kann den großen Honigraum nicht halten – Schimmel und Wachsmotten drohen. An die Volksstärke anpassen.
- Absperrgitter vergessen: Brut im Honigraum macht den Honig dunkel und das Schleudern aufwändig.
Tipp: Notiere Datum und Anzahl der Honigräume direkt in der Stockkarte. In der Lokalbee-App hältst du die aufgesetzten Honigräume bei jeder Durchsicht fest und behältst über die Jahre die Trachtleistung jedes Volkes im Blick. Eine kostenlose Stockkarte-Vorlage gibt es hier.